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Winterharte Canna? Mit
Einschränkungen ja. Die meisten Canna vertragen nur geringe Fröste
am Rhizom, viele sind empfindlich auf kühle Nässe. Aber einige
Arten und Sorten dürften potentiell Feuchtigkeit bei Überwinterung
im Boden tolerieren, wenn die Drainage stimmt und etwa 20 cm Mulch aufgebracht
wird. Da es bei Canna ein unüberschaubares Durcheinander bei der
Namensgebung gibt, wäre es erstmal wichtig, daß die getesteten
Arten eindeutig zugeordnet werden. Nur mit korrekter Nomenklatur kann man
die Toleranz geben kühl-feuchte Winterbedingungen auch richtig
zuordnen. Ich biete Ihnen hier daher im Laufe der Zeit die eine oder
andere Art an, bei der ich sicher bin, dass die Namensgebung auch richtig
ist. Wenn Sie Freilandversuche machen wollen, teilen Sie die Pflanze vor
dem Auspflanzen, um eine Reserve zum Überwintern im Gewächshaus
zu haben. Denn mit den allermeisten Arten gibt es bisher keine Erfahrungen
im Freiland.
Canna lumbautum ist eine kompakt wachsende Art mit 2 - 3 m großen
Blütenstengeln, die vom Sommer bis zu den Frösten reichlich rote
Blüten trägt. Sie stammt aus San Carlos, Tamaulipas, Mexiko.
Wahrscheinlich handelt es sich um C. indica v. indica 'Tamaulipas'.
Die Blätter werden in einer Saison in unserem Klima bis 2 m hoch. Im
Laufe der Jahre bildet sich ein dichter Horst, der sehr dekorativ ist und
mit anderen Blattexoten hervorragend harmonisiert. Das Exemplar im Schaugarten
ist seit 1996 in reinen Sand gepflanzt, wird im Winter gemulcht und
erhält im Frühjahr nach dem Austrieb monatlich einen Volldünger.
Bisherige Mindesttemperatur -21°C. Die Ursache der guten Winterhärte
ist wahrscheinlich in der ausgezeichneten Toleranz kühlen Klimas zu
suchen. Während andere Cannas im Frühjahr noch dormant sind, treibt
C. lumbautum schon sehr früh aus, bei vergleichsweise niedrigen
Temperaturen. Auch das Rhizom scheint vergleichsweise viel Frost zu tolerien,
zwar sicherlich nur im einstelligen Bereich, aber für Cannas ist dies
schon ein erstaunliches Faktum.
Canna compacta ssp. cinnabrina verspricht eventuell auch eine gute
Toleranz gegen winterliche Feuchtigkeit. Diese Art stammt ebenfalls aus Mexiko,
Colima, hat gelbliche Blüten mit orange roten Flecken und wächst
sehr kompakt, bis etwa 120 cm Größe. Wahrscheinlich handelt es
sich um C. indica var. maculata. Bisher gibt es kaum Freilandversuche
mit dieser Art, sie wird von amerikanischen Gärtnern der Zone 7 zugeordnet,
ein Exemplar hat bisher -17°C mit 20 cm Mulch im reinen Sandbeet im
Schaugarten die Winter seit 01/02 überlebt, sich aber langfristig
erschöpft.
Die Canna Arten nach Tanaka, 2001. Hier werden 19 Arten beschrieben.
Da die Arbeiten des Ehepaares Maas von dieser Systematik abweichen, werden
sie bei der Nomenklatur mit angegeben. Maas ordnet 5 Arten unter C.
indica ein, 9 werden als unstrittig gesehen, 4 waren Maas nicht bekannt,
1 Art wird als solche erkannt, aber mit verschiedenen Namen belegt (Canna
latifolia bzw. C. tuerckheimii).
Canna amabilis wurde 1985 in Argentinien gesammelt und 2000 zuerst
von Tanaka beschrieben. Eine sehr hübsche Art mit tief roter, nicht
verzweigter Blüte, blau-grünem Blatt, relativ kleinen Samen und
einem schlanken, kriechenden Rhizom. Die inneren Blütenblätter
sind länglich schmal bis maximal 1,5 cm an der breitesten Stelle. Es
ist eine Art, deren Blätter am Stamm entspringen und nicht wie bei anderen
Arten, der Stamm von den Blattscheiden gebildet wird. Sie haben eine breit
elliptische Form und sind sehr dünn. Maas listet diese Art nicht auf.
Canna bangii, eine unstrittige Art. Mittelgroß bis 2,0 m mit
kurzem tuberösem Rhizom, grünen Blättern mit unterseitiger
Flaumbehaarung, orange-roten, verzweigtem Blütenstand.
Canna coccinea, mittelgroße Canna mit grünem Blatt. Dickes,
kräftiges Rhizom. Sie wird von Canna indica unterschieden durch
die größere Blüte, größeren Deckblätter unterhalb
der Blüte, gewöhnlich ungeteiltem Blütenstand und einem im
Querschnitt dreieckigen Blütenstiel mit Ausbildung einer
flügelförmigen Leiste. Die Fruchtkapseln enthalten 3 bis 5
Samen. Als C. coccinea werden zwar sehr häufig Exemplare aus
Argentinien und der Karibik verkauft, in der Mehrzahl der Fälle sind
es aber keine reinen Arten, sondern Hybriden oder gänzlich andere Arten.
Bisher noch keine Freilanderfahrung. Maas ordnet C. coccinea unter
C. indica ein.
Canna compacta ist eine große Canna mit vielen kleinen, eng
beieinander sitzenden, orange-roten Blüten und grünen Blätter,
diese Art ist wesentlich größer als C. indica, auch das
Rhizom ist deutlich dicker und eßbar. In den USA wird diese Art zumeist
als C. 'Robert Kemp' angeboten. Wird von Maas dennoch unter C.
indica eingeordnet.
Canna discolor ist eine große Art, sie hat grüne Blätter
mit rötlicher Färbung an den Blattadern und -rändern, die
Stämme sind ebenfalls rot. Die Rhizome sind deutlich dicker als bei
den meisten anderen Canna Arten oder Hybriden. Die Blüte besitzt rote
Staubgefäße und gelbe Griffel. Das interessante ist, das es sich
bei C. discolor v. discolor um eine sterile, da triploide, Art handelt.
Auch die andere Unterart, C. discolor v. rubripunctata, grüne
Blätter und gelbe Blüte mit zahlreichen roten Punkten, ist
wahrscheinlich steril. C. discolor wird von Maas unter C. indica
eingeordnet. C. discolor wird sehr oft in Südostasien unter dem
Namen C. edulis als Nahrungsquelle angebaut.
C. discolor 'Manipur', die ich 2004 auf 1.600m Höhe an
frostexponierter Stelle gesammelt habe, dürfte hier einiges
versprechen.
Canna flaccida, eine unstrittige Art. Der Blütentrichter ist
größer als 5 cm. Natürliches Verbreitungsgebiet Süd-USA
entlang der Golfküste bis zur südlichen Atlantikküste.
Canna glauca, unstrittige Art. Mittelgroße Canna mit schmalen,
lanzettlichen Blättern und schlankem Rhizom. Die bläuliche Farbe
der Blätter ist sehr hüsch und eigent sich bestens zur Dekoration,
Name! Die Blüte erscheint im Spätsommer und ist zitronengelb.
Mässige Regeneration im Freiland, jedoch überleben immer wieder
einzelne Ableger, da C. glauca sehr viele Ableger bildet, die innerhalb
einer Saison bis zu 2 m "wandern" können.
Canna indica
Maas sieht C. indica als sehr variabel an und ordnet C. discolor,
C. compacta , C.coccinea, C. speciosa und C. patens darunter ein.
Tanaka hingegen sieht mehrere Unterarten:
C. indica v. indica.
C. indica v. warszewiczii, (C. warszewiczii). Sie ist
gekennzeichnet durch rötlich gestreifte Blätter mit roten Blattstielen
und kleiner, kräftig roter Blüte. C. warszewiczii bildet
dichte, kompakte Horste bis 1,5 m Höhe. Viele Kultivare mit rötlicher
Blüte stammen ursprünglich von dieser Art ab. Erste Freilanderfahrungen
deuten eine relativ schlechte Regeneration an, wahrscheinlich nicht geeignet
zum Auspflanzen.
C. indica v. flava, gelbe Blüte. Vielen Pflanzen, die als C.
lutea angeboten werden, fallen hierunter.
C. indica v. maculata, gelbe Blüte mit roten Punkten. Manchmal
ebenfalls unter der Bezeichnung C. lutea zu finden. Herkünfte
aus Colima, Mexiko, erwiesen sich als relativ robust im Sandbeet, allerdings
fehlen auch hier langfristige Erfahrungen.
C. indica v. sanctae-rosae, mit hervorstehenden Staubgefäßen.
Canna iridiflora, eine unstrittige Art aus höheren Lagen der
Anden.
Canna jacobiniflora wurde 1985 gesammelt und 2000 zuerst von Tanaka
beschrieben. Maas listet diese Art nicht auf.
Canna jaegeriana, eine unstrittige Art.
Canna liliflora, eine unstrittige Art aus höheren Lagen der
Anden.
Canna latifolia. Maas erkennt C. latifolia als eigene Art an
und bezeichnet diese als C. tuerckheimii. C. latifolia umfasst
wahrscheinlich viele der großen Cannas mit invaliden Namen z.B. C.
gigantea, C. heliconifolia, etc., alles ungültige hortikulturelle
Namen.
Canna paniculata, eine unstrittige Art. Die früher als C.
lanuginosa bezeichneten Arten fallen hierunter.
Canna patens, eher kleinere Art aus Brasilien mit dekorativer, gelb-roter
Blüte und grünem Blatt. Maas ordnet C. patens unter C.
indica ein. Tanaka sieht die unter der ungültigen Bezeichnung C.
limbata angebotenen Arten als C. patens an. Erste Freilanderfahrungen
deuten eine relativ gute Regeneration an, bisher min. Temp. -9°C mit
Mulch.
Canna pedunculata, eine unstrittige Art.
Canna plurituberosa wurde 1984 gesammelt und 2000 zuerst von Tanaka
beschrieben. Maas listet diese Art nicht auf.
Canna speciosa, unklar bleibt, ob es sich hierbei wirklich um eine
eigenständige Art handelt. Tanaka beschreibt sie als sehr große
Art bis 3 oder 4 m Höhe mit schlankem, kriechendem Rhizom und grünen
Blättern. Die Blüte ist rot, fast pink mit gelber Sprenkelung an
der Basis des Labellums, während die anderen beiden
Blütenblätter vollständig rot sind. Maas klassifiziert diese
Art als C. indica, hat dabei aber eine andere Art beschrieben, die
nur bis 2 m groß wird.
Canna stenantha wurde 1985 in Argentinien gesammelt und 2000 zuerst
von Tanaka beschrieben. Lange schlanke (stenanthe) Blütenblätter
mit rot gelber Färbung. Maas listet diese Art nicht auf
Als zweifelhafte Arten werden von Tanaka gesehen:
Canna edulis, es ist zweifelhaft ob diese Art als solche existiert,
da Belegexemplare nicht bekannt sind. Maas vermutet, daß es sich um
Synonym für C. indica handelt, während Tanaka sie für
Canna discolor hält. 1823 wurde diese Art beschrieben als jene,
die eßbare Rhizome hat. Daher hat sich fälschlicherweise
eingebürgert, alle Canna mit eßbaren (großen) Rhizomen als
C. edulis zu bezeichnen.
Canna esculata
Canna aurantiana
Nicht von Tanaka beschrieben, aber möglicherweise eine
eigenständige Art könnten sein:
Canna 'Indica Purpurea'
Canna 'Musafolia'
Canna 'Omega'
Tanakas Schlüssel unterteilt Canna u.a. nach dem Rhizom:
Typ A Rhizome finden sich bei den meisten Arten und Hybriden. Sie sind dick
und kurz, etwa 2 bis 3 cm im Durchmesser, z.B. C. indica, C. latifolia,
C. liliflora und C. iridiflora.
Typ B Rhizome sind sehr dick, 5 bis 7 cm im Durchmesser: C. compacta und
C. discolor.
Typ C Rhizome sind lang und dünn: C. glauca und C. flaccida.
Viele Canna Arten mit Typ C Rhizomen stammen aus feuchten Habitaten,
"Swamp-Canna".
Typ D Rhizome bilden knollenartige Gruppen: C. pleurituberosa, aber
auch Canna 'Musafolia' besitzt diese Art des Rhizomes, was von Tanaka
nicht validiert erscheint.
Canna Aussaat: Alle Canna Samen sind sehr hartschalig und mit einer
wasserabweisenden Schicht überzogen, d.h. die Aussaat ist ohne Hilfsmittel
wie Skarifizierung sehr langwierig, selbst bei absolut frischer Saat.
Skarifizierung heißt, daß die harte Schale mit Sandpapier an
einer Stelle bis zum Erscheinen des weißen Endospermes vorsichtig
abgeschmirgelt wird. Im Frühjahr bei +25 bis +30 °C sollten derart
behandelte Samen zügig keimen. Alternativ können Samen natürlich
auch konventionell ohne Vorbehandlung ausgesät werden. Sammeln Sie dann
alle nicht gekeimten Samen im Herbst ab, lagern Sie diese trocken und versuchen
es im nächsten Jahr erneut. Auch der hartnäckigste Same keimt so
irgendwann einmal. Übrigens gehören Canna Samen zu den "fast endlos
keimfähigen" Genera. Die Publikation von Lerman & Cigliano aus 1971
berichtet von der Keimung eines ca. 600 Jahre alten Samens von C.
compacta.
Literatur:
Lerman, J. C. & E. M. Cigliano, 1971: New carbon-14 evidence for six
hundred years old Canna compacta seed. Nature 232, pp. 568-570.
Maas, P. J. M. & H. Maas, 1988: Cannaceae. In: G. Harling et al., eds.
1973: Flora of Ecuador, Göteborg. Vol. 32, pp. 1-9.
Tanaka, N. 2001: Taxonomic Revision of the Family Cannaceae in The New World
and Asia. Makinoa (The Bulletin of the Makino Botanical Gardens). Issue No.
1.
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