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Dryopteris carthusiana (Vill.) H. P. Fuchs
  synonym: Aspidium spinulosum (Retz.) Sw.
                 Dryopteris austriaca var. spinulosa (O. F. Müll.) Fiori
                 Dryopteris spinulosa (O. F. Müll.) Watt
                 Polypodium carthusianum Vill.
                 Polypodium spinulosum O. F. Müll.
Dorniger Wurmfarn, Gewöhnlicher Dornfarn, Karthäuser Dornfarn, Dryopteridaceae - Wurmfarngewächse
15–60 cm hoch, sommergrün, mehrjährig

Der Dornige Wurmfarn tritt in Mitteleuropa verbreitet bis gemein auf, in den mitteldeutschen Trockengebieten eher zerstreut. Sein Verbreitungsgebiet ist eurasisch und nordamerikanisch. Bervorzugt siedelt er in kalkfreien, feuchten Mischwäldern, Heiden oder Moorrändern. Es sind sommergrüne Pflanzen mit einem kurzen, kaum aufsteigenden Rhizom. Die Pflanzen wachsen eher büschelig, weniger in Horsten. Die Wedel sind mehr oder weniger gelbgrün, eiförmig-lanzettlich im Umriss, aufrecht, 2-fach gefiedert. Der Wedelstiel ist nur spärlich mit einfarbigen, hellbraunen, breit ovalen Spreuschuppen bedeckt. Die Fiederblätter sind länglich-lanzettlich mit asymmetrischen Grund, da die zum Wedelgrund gerichteten Fiederblättchen deutlich länger sind als die gegenüberstehenden. Die Ränder der Fiederblättchen sind gesägt mit Zähnen die zur Blättchenspitze zeigen. Die Sori stehen in 1 Reihe beidseits der Mittelrippe der Fiederblättchen, sind ohne Drüsen.

Dryopteris carthusiana bildet gerne Hybriden mit anderen Arten am Naturstandort, die oft kaum eindeutig zuzuordnen sind. Dryopteris carthusiana ist eine allotetraploide Art, deren Elternarten zwei diploide Arten sein dürften: einerseits sie nordamerikanische D. intermedia (Muhl. ex Willd.) A. Gray und andererseits die hypothetische 'D. semicristata', bei der es sich um eine nordhemisphärische Art handeln könnte, die seit der letzten Eiszeit verschwunden ist und ebenfalls als ein Elternteil der nordhemisphärisch verbreiteten D. cristata (L.) A. Gray gilt. Dryopteris cristata gehört zu jenen Wurmfarnen, die einen Wedeldimorphismus aufweisen: sterile und fertile Wedel sehen anders aus. Reste dieses Dimorphismus sind bei D. carthusiana noch vorhanden und deuten diese phylogenetische Linie an. Sterile Wedel wachsen flach und überhängend, während fertile eher aufrecht wachsen und den Wedelschöpfen daher einen mehr oder weniger "unordentlichen" Aspekt verleihen.

Abb. 1 Pflanzen der Dryopteris carthusiana im Unterwuchs der Ickerschen Heide, Castrop-Rauxel, 15.06.2017, 58 m, 51° 36' 06 N, 07° 20' 43 O Abb. 2 Wedel der Dryopteris carthusiana im Unterwuchs der Ickerschen Heide, Castrop-Rauxel, 15.06.2017, 58 m, 51° 36' 06 N, 07° 20' 43 O

Abb. 3 "Unordentlicher Aspekt" der Dryopteris carthusiana durch die aufrecht wachsenden Sporophylle und eher flachen Trophophylle, Waldweg bei Ennepetal-Peddenöde, 01.09.2018, 277 m, 51° 16' 32 N, 07° 24' 43 O Abb. 4 Wedelspitze mit den Fiederblättern der Dryopteris carthusiana, Ickersche Heide, Castrop-Rauxel, 15.06.2017, 57 m, 51° 36' 04 N, 07° 20' 46 O

Abb. 5 Sporangien von Dryopteris carthusiana, Ickersche Heide, Castrop-Rauxel, 15.06.2017, 57 m, 51° 36' 04 N, 07° 20' 46 O Abb. 6 Massenbestand der Dryopteris carthusiana an sonniger Stelle in einer feuchte Senke der Ickerschen Heide, Castrop-Rauxel, 15.06.2017, 57 m, 51° 36' 04 N, 07° 20' 46 O

Abb. 7 Vergleich der Wedelenden der Dryopteris carthusiana (links) mit der ähnlichen D. dilatata (Hoffm.) A. Gray (rechts), Privatgarten, 25.05.2018 Abb. 8 Wedelunterseiten mit Sori bei der Dryopteris carthusiana (links) und D. dilatata, Privatgarten, 25.05.2018


Der Gattungsname Dryopteris Adans. stammt von gr. "drys" (= Eiche) und gr. "pteris" (= Flügel, Farn), zu "Eichenfarn", übertragen auf eine Farn- oder Moossippe die an Eichen wächst. Ein Motiv, das sich wohl auf den in gemäßigten Breiten häufig in Eichenmischwäldern wachsenden Männerfarn, Dryopteris filix-mas (L.) Schott, bezieht. Das Epitheton carthusiana stammt von lat. "Carthusiani" (= die Karthäusermönche), nach dem Fundort des Typusmaterials beim Karthäuserkloster Grande Chartreuse, Grenoble, wo der Erstbeschreiber, Dominique Villars (1745–1814), wirkte.

Dryopteris carthusiana sind dekorative Farme, die durch den filigranen Wuchs gut in den Garten passen. Sowohl lichter Schatten als auch Sonne werden toleriert. Der Boden sollte neutral bis leicht sauer sein; feuchte Standorte unterstützen gutes Gedeihen. Die Winterhärte ist in ganz Mitteleuropa ausreichend.

Referenzen
Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Haeupler, H. & Muer, T. 2007: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. – Ulmer-Verlag, Stuttgart, 789 S.



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2018: Dryopteris carthusiana. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/dryopteris-carthusiana.html am Tg.Mo.Jahr.

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