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Lathyrus latifolius L.
  synonym: Lathyrus laevigatus Arechav.
Breitblättrige Platterbse, Fabaceae - Hülsenfrüchtler, Hülsenfruchtgewächse
Hochsommerblüher, VII–VIII, 100–300 cm lang, sommergrün, mehrjährig

Die Breitblättrige Platterbse tritt in Mitteleuropa überwiegend zerstreut auf. Ursprünglich stammte sie auf dem südlichen und östlichen europäischen Raum, wurde schon vor 1.500 n. Chr. nach Mitteleuropa eingeführt (Archäophyt) und ist vielerorts eingebürgert, oft auch tritt sie unbeständig auf. In Nodamerika ist sie ebenfalls verwildert. Bevorzugt siedelt sie in mäßig trockenen Strauchgesellschaften, Heckensäumen, an Ruderalstandorten entlang von Bahndämmen, Weg- und Straßenrändern. Es sind kletternde, lianenförmige Platterbsen, die morphologisch sehr ähnlich der Wald-Platterbse, Laythrus sylvestris L. sind. Oft sind die Pflanzen niederliegend, manchmal aufsteigend oder kletternd, mit ästigen, rauen und geflügelten Stängeln. Die Flügel der Stängel sind etwa so breit wie jene der Blattstiele, 2–6 mm. Alle Laubblätter sind 1-paarig gefiedert mit breit eiförmigen Fiederblättern, die 5–7 Längsnerven und eine Netznervatur aufweisen. Der Blütenstand ist eine 6–14-blütige Traube und mit Stiel wesentlich länger als die Tragblätter. Die Krone ist karminrot, blassrosa oder weiß. Später bilden sich Hülsen mit warzig rauer Oberfläche.

Die Breitblättrigen Platterbsen sind ausdauernde Pflanzen, die eine Hauptwurzel bilden und im Umkreis des Wurzelhalses Erneuerungsknopsen bilden, die nach Abtrennung nicht eigenständig weiterleben können. Dieses Verhalten wird Pleiokormstaude genannt, im Gegensatz zu Arten, die durch Wurzelsprosse eigenständige Pflanzen bilden können.


Abb. 1 Breit eiförmige Fiederblättchen, geflügelte Stängel und Schoten eines Lathyrus latifolius in einem Dünengebüsch auf Wangerooge, 04.08.2013, 6 m, 53° 47' 29 N, 07° 54' 29 O Abb. 2 Früchte des Lathyrus latifolius auf einer Brachfläche im Industriegebiet an der Linda Lane, Harrisonburg, Virginia, 20.10.2019, 427 m, 38° 26' 10 N, 78° 50' 38 W

Abb. 3 Traubiger Blütenstand des Lathyrus latifolius mit weißen Kronen, Dünengebüsch auf Wangerooge, 04.08.2013, 6 m, 53° 47' 29 N, 07° 54' 29 O Abb. 4 Karminrote Blütenkronen eines Lathyrus latifolius in einem Gebüschsaum der Ickerschen Heide, Castrop-Rauxel, 15.06.2017, 58 m, 51° 36' 09 N, 07° 20' 50 O

Abb. 5 Hellrosafarbene Blütenkronen eines Lathyrus latifolius in einem Gebüschsaum der Ickerschen Heide, Castrop-Rauxel, 15.06.2017, 58 m, 51° 36' 09 N, 07° 20' 50 O Abb. 6 Karminrote Blütenstand des Lathyrus latifolius auf einer Brachfläche im Industriegebiet an der Linda Lane, Harrisonburg, Virginia, 20.10.2019, 427 m, 38° 26' 10 N, 78° 50' 38 W

Abb. 7 Gestielte Blütenkospen von Lathyrus latifolius am Tippelsberg, Bochum, 127 m, 51° 30' 29 N, 07° 13' 42 O, 07.07.2017 Abb. 8 Breit eiförmige Laubblätter von Lathyrus latifolius in einem Saum. Hier handelt es sich um eine Ausaat im Zuge der Renaturierung am Tippelsberg, Bochum, 127 m, 51° 30' 29 N, 07° 13' 42 O, 07.07.2017

Abb. 9 Traubige Blütenstände des Lathyrus latifolius mit weißen Kronen, Brachfläche im Industriegebiet an der Linda Lane, Harrisonburg, Virginia, 20.10.2019, 427 m, 38° 26' 10 N, 78° 50' 38 W


Lathyrus latifolius ist morphologisch nahe verwandt zum Lathyrus sylvestris, der Wald-Platterbse. Letztere hat Blatt-Flügel, die deutlich schmaler als die Stängelflügel sind. Die Fiederblättchen sind zudem lineal bis lanzettlich mit 1–5 Längsnerven. Die Krone ist gelblichgrün bis schmutzig rosa, die Flügel sind purpurfarben.

Der Gattungsname Lathyrus L. wurde schon vorlinnäisch für die Platterbsen genutzt, gr. "lathyros" (= Saat-Platterbse). Ein Benennungsmotiv ist allerdings nicht eindeutig. Das Epitheton latifolius stammt von lat. "latifolius" (= breitblättrig) und beschreibt die breit eiförmigen Fiederblättchen im Vergleich zu jenen der Wald-Platterbse.

Lathyrus latifolius ist eine hübsche Staude für den naturnahen Garten an einem sonnigen Standort. Sie wird schon mindestens seit dem Mittelalter in Mitteleuropa kultiviert und bildet teilweise stabile Bestände in Gärten. Will man sicher sein, dass die Pflanzen im nächsten Jahr wieder kommen, erntet man im Spätsommer die Samen und zieht diese im Frühjahr auf der Fensterbank vor.

Referenzen
Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Haeupler, H. & Muer, T. 2007: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. – Ulmer-Verlag, Stuttgart, 789 S.
Jäger, E. J. 2011: Rothmaler, Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Grundband. – Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, 930 S.



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2018: Lathyrus latifolius. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/lathyrus-latifolius.html am Tg.Mo.Jahr.

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