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Muscari neglectum Guss. ex Ten.
  synonym: Hyacinthus racemosus L.
                 Muscari atlanticum Boiss. & Reut.
                 Muscari commutatum auct.
                 Muscari dolioliforme Sobko
                 Muscari racemosum Lam. & DC.
Weinbergs-Traubenhyazinthe, Übersehenes Träubel, Asparagaceae - Spargelgewächse
Frühlingblüher, III–V, 10–40 cm hoch, vorsommergrün, mehrjährig

Die Weinbergs-Traubenhyazinthe tritt in Mitteleuropa selten bis zerstreut auf, mit großen Lücken. Sie siedelt bevorzugt in Weinbergen, Laubwäldern, entlang von Wegen, auf Trockenwiesen und Felsstandorten, fast immer auf kalk- und basenhaltigen Böden. Ursprünglich stammt die Art aus dem Mittelmeerraum bis Mittelasien und gilt schon seit dem Mittelalter als eingebürgert (Archäophyt). Der Stängel ist rundlich, ohne Laubblätter, die Blütentraube steht endständig. Es gibt 3–6 grundständige Laubblätter, hellgrün, am Grund öfters rötlich, schmal linealisch und schlaff. Der Blütenstand ist 2–6 cm lang, trägt zahlreiche schwarzviolette, duftende, länglich eiförmige, duftende Blüten, deren Perigonröhre (Perigon deshalb, weil sich Kelch- und Kronblätter nicht unterscheiden lassen) an der Spitze stark verengt ist und einen Saum aus weißlichen Zipfeln trägt. Am Ende des Blütenstandes stehen einige, hellviolette, sterile Blüten. Zum Sommer hin ziehen die Pflanzen ein.


Abb. 1 Muscari neglectum in den Weinbergen bei Achkarren, Kaiserstuhl, 14.03.2015, 242 m, 48° 04' 06 N, 07° 36' 29 O Abb. 2 Muscari neglectum in den Weinbergen bei Achkarren, Kaiserstuhl, 14.03.2015, 244 m, 48° 04' 06 N, 07° 36' 30 O

Abb. 3 Muscari neglectum in einem Felssteppenrasen am Thenau-Riegel bei Breitenbrunn, Neusiedlersee, Burgenland, Österreich, 04.04.2017, 164 m, 47° 56' 11 N, 16° 43' 22 O Abb. 4 Blütenstand des Muscari neglectum, Felssteppenrasen am Thenau-Riegel bei Breitenbrunn, Neusiedlersee, Burgenland, Österreich, 04.04.2017, 164 m, 47° 56' 11 N, 16° 43' 22 O

Abb. 5 Muscari neglectum zusammen mit neu austreibender Steppen-Wolfsmilch, Euphorbia seguieriana Neck., in einem Felssteppenrasen am Thenau-Riegel bei Breitenbrunn, Neusiedlersee, Burgenland, Österreich, 04.04.2017, 164 m, 47° 56' 13 N, 16° 43' 20 O


Die Ableitung des Gattungsnamens Muscari Mill. ist nicht vollständig geklärt; er stammt wahrscheinlich von spätlat. "muscatus" (= moschusartig riechend), nach den duftenden Blüten mancher Arten. Das Epitheton neglectum leitet sich ab von lat. "neglectus" (= unbeachtet) und wird für Taxone verwendet, die vorher taxonomisch übersehen wurden.

Die Weinbergs-Traubenhyazinthe ist schon lange als Gartenpflanze in Kultur und als zeitiger Frühlingblüher beliebt. Die Pflanzen benötigen einen Standort ohne Staunässe, idealerweise auf kalkhaltigen Böden, sind aber ansonsten genügsam.

Referenzen
Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Haeupler, H. & Muer, T. 2007: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. – Ulmer-Verlag, Stuttgart, 789 S.
Jäger, E. J. 2011: Rothmaler, Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Grundband. – Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, 930 S.



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2017: Muscari neglectum. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/muscari-neglectum.html am Tg.Mo.Jahr.

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