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Arundo donax L.
  synonym: Aira bengalensis (Retz.) J. F. Gmel.
                 Amphidonax bengalensis (Retz.) Nees
                 Arundo bengalensis Retz.
                 Arundo coleotricha (Hack.) Honda
                 Donax arundinaceus P. Beauv.
                 Donax bengalensis (Retz.) P. Beauv.
                 Scolochloa donax (L.) Gaudin
Riesenschilf, Spanisches Rohr, Pfahlrohr, Poaceae - Süßgräser
Spätsommerblüher, VIII–XII, 2–6 m hoch, (halb-)immergrün, mehrjährig

Ursprünglich stammt das Riesenschilf wohl aus dem ostasiatischen Raum (China), ist wahrscheinlich in prähistorischer Zeit schon vom Menschen verbreitet worden und inzwischen im süd- und zentralasiatischen Raum, Afrika, Südeuropa und vielerorts in warmen Regionen der Erde als Archäophyt eingebürgert. Bevorzugt besiedeln die Pflanzen feuchte Standorte entlang von Gewässern, Tälern und Senken mit hohem Grundwasserspiegel und gelegentlich auch etwas trockenere Ruderalflächen. Es sind immergrüne, an Bambus erinnernde Gräser mit kräftigen, dick-knotigen, weit kriechenden Rhizomen. Die Halme sind 1–4 cm im Durchmesser, aufrecht, 2–6 m hoch, unverzweigt oder gelegentlich mit schlanken, kürzeren Zweigen an den Knoten, ähnlich dem Bambus. Die Laubblattscheiden sind länger als die Internodien, mehr oder weniger kahl. Die Laubblätter sind 30–60 cm lang, 2–5 cm breit, grau- bis blaugrün mit rauhem Rand. Die Blüten erscheinen in 30–70 cm langen, dichten Rispen mit 10–25 cm langen, aufsteigenden Zweigen und gewöhnlich violett tingierten, 2–5-blütigen, 10–15 mm langen Ährchen. Die Deckspelzen sind schmal lanzettlich, 8–12 mm lang, seidig behaart und bewirken den silbrigen Glanz der Rispen.


Abb. 1 Horst von Arundo donax im Retamal der Isla Canela am Rio Guadiana, Ayamonte, Spanien, 20.10.2010, 0 m, 37° 11' 01 N, 07° 24' 13 W Abb. 2 Dichter Bestand von Arundo donax an einem Straßenrand bei Narbonne, Südfrankreich, 14.10.2005

Abb. 3 Ursprünglich dürfte Arundo donax von solchen Standorten wie hier in einem Wadi in Nord-Oman bei Al Karbi her stammen, 20.02.2007, 411 m, 24° 41' 49 N, 56° 19' 29 O Abb. 4 Blütenrispe des Arundo donax mit zahlreichen Seitenzweigen, an einem Straßenrand bei Narbonne, Südfrankreich, 14.10.2005

Abb. 5 Kleine Pflanze von Arundo donax, die wahrscheinlich über ein Rhizomstück mit dem Rio Guadiana an den Strand der Isla Canela verschleppt wurde, Ayamonte, Spanien, 28.03.2008, 0 m, 37° 10' 55 N, 07° 24' 10 W Abb. 6 Dichter Bestand von Arundo donax am Straßenrand der Vico Portico in Muravera, Sardinien, 12.10.2016

Abb. 7 Blütenstände von Arundo donax an einem Straßenrand der Vico Portico in Muravera, Sardinien, 12.10.2016 Abb. 8 Freigelegtes, kräftiges Rhizomstück von Arundo donax, an einem Straßenrand der Vico Portico in Muravera, Sardinien, 12.10.2016

Abb. 9 Horst von Arundo donax an einem Straßenrand bei Nerja, Spanien, 10.10.2008, 63 m, 36° 45' 20 N, 03° 50' 58 W Abb. 10 Arundo donax zuammen mit Nerium oleander L. und der Dattelpalme, Phoenix dactylifera L., im Wadi Alqahfi, Oman, 20.02.2007, 443 m, 24° 40' 45 N 56° 09' 52 O

Abb. 11 Etwa 5–6 m hohe Pflanzen von Arundo donax in einem Privatgarten in Eppan, Südtirol, 29.10.2019


Die Herkunft des Gattungsnamens Arundo L. ist unsicher, möglicherweise nordafrikanisch oder vorderasiatisch, später zu lat. "arundo" (= Pfahlrohr). Das Art-Epitheton donax stammt wahrscheinlich von gr. "donein" (= schütteln), nach den im Wind wogenden Halmen, später zu gr. "donax", womit neben den rohr- und schilfartigen Gräsern auch die daraus gefertigten Gegenstände wie beispielsweise Pfähle, Rohre, Flöten oder Schäfte gemeint sind.

Arundo donax ist ein ausgesprochen dekoratives Gras, welches durch seine Architektur besticht. In wintermilden Regionen ist es grenzwertig winterhart. In kalten Wintern oder in Regionen ab Z 7b bedarf es eines winterlichen Schutzes des Rhizoms durch eine Mullauflage. In Mitteleuropa sind die Gräser meist sommergrün, können während milder Winter jedoch auch immergrün überdauern. Entscheidend ist, dass das Rhizom nicht bei tiefen Temperaturen über einen längeren Zeitraum durchfriert. Bei lockerem Boden ist eine Rhizomsperre bis mindestens 50 cm Tiefe ratsam, sofern man ein Ausbreiten nicht wünscht.

Referenzen
Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Schönfelder, I. & Schönfelder, P. 2002: Kosmos Atlas Mittelmeer- und Kanarenflora. – Kosmos-Verlag, Stuttgart, 303 S.



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2020: Arundo donax. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/arundo-donax.html am Tg.Mo.Jahr.

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