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Neottia nidus-avis  (L.) Rich.
Vogel-Nestwurz, Orchidaceae - Orchideen
Ende Vollfrühlingblüher, V–VII, 20–50 cm hoch, sommergrün, mehrjährig

Die Vogel-Nestwurz tritt in Mitteleuropa selten bis verbreitet auf, mit Schwerpunkt in den Kalkmittelgebirgen. Das Verbreitungsgebiet ist eurasisch. Bevorzugt siedeln die Pflanzen in Buchen- oder Mischwäldern, auch an Waldwegen, bevorzugt auf Kalk. Durch Rodung der Wälder und Forstwirtschaft ist sie in ihrem Bestand rückläufig, aber nicht stärker  gefährdet. Die Vogel-Nestwurz gehört zu den Vollparasiten. Das heißt, sie bildet kein Chlorophyll und bezieht ihre Nährstoffe aus Pilzen. Hierfür ist das Wurzelgeflecht netzartig verflochten und fein verzweigt, was wohl auch das Benennungsmotiv der Art ist. Blühende Triebe sterben ab, die Pflanzen breiten sich aber randständig, zentrifugal über das Wurzelgeflecht weiter aus. Da Neottia nidus-avis kein Chlorophyll bildet, bleiben die Pflanzen vollständig bräunlich-gelb, selbst die Blüten. Typisch ist der Geruch der Pflanzen nach Honig.

Die Stängel sind dick, mit scheidigen Schuppenblättern, ohne Laubblätter. Der Blütenstand ist eine dichte, vielblütige Traube. Die Einzelblüten haben, keinen Sporn, einen halbkugeligen Helm und eine 2-spaltige Lippe mit kurzen, rundlichen Zipfeln.


Abb. 1 Noch unreife Frucht der Neottia nidus-avis, schattiger Halbtrockenrasen auf dem Finkenberg bei Lengerich, 17.06.2021, 145 m, 52° 11' xx N, 07° 53' xx O Abb. 2 Blüten von Neottia nidus-avis, schattiger Halbtrockenrasen auf dem Finkenberg bei Lengerich, 17.06.2021, 145 m, 52° 11' xx N, 07° 53' xx O

Abb. 3 Blütenstand der Neottia nidus-avis, schattiger Halbtrockenrasen auf dem Finkenberg bei Lengerich, 17.06.2021, 145 m, 52° 11' xx N, 07° 53' xx O Abb. 4 Blütenstand der Neottia nidus-avis an der alten Bahntrasse am Wasserfall Dreimühlen, Nohn, Eifel, 28.05.2914, 389 m, 50° 19' 20 N, 06° 46' 20 O

Abb. 5 Blütenstand der Neottia nidus-avis in einem Laubmischwald auf dem Finkenberg bei Lengerich, 17.06.2021, 151 m, 52° 11' xx N, 07° 53' xx O


Der Gattungsname Neottia Guett. leitet sich ab von gr. "neottia" (= Vogelnest), ein Verweis auf das nestartig verzweigende Rhizom der Art. Selbiges gilt für das Epitheton nidus-avis: lat. "nidus" (= Nest) und lat. "avis" (= Vogel). Diese Tautologie begründet sich daran, dass die Art urspünglich als Ophrys nidus-avis L. etabliert und erst später in die Gattung Neottia gestellt wurde. Das Epitheton ist in so einem Fall beizubehalten.

Neottia nidus-avis ist pflanzensoziologisch eine interessant Arten, dürfte für die Gartenkultur eher nur für den Orchideen-Experten von Bedeutung sein. Wie bei allen Orchideen sollten nur Pflanzen aus gärtnerischer Vermehrung, keine Naturentnahmen im Garten kultiviert werden. Ein frischer, feuchter, kalkhaltiger Boden, bei gleichzeitigem Vorhandensein von Mykorrhiza-Bäumen wie Buche, Hainbuche oder Eiche sind ideal, gerne schattig oder halbschattig.

Referenzen
Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Haeupler, H. & Muer, T. 2007: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. – Ulmer-Verlag, Stuttgart, 789 S.
Jäger, E. J. 2011: Rothmaler, Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Grundband. – Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, 930 S.



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2021: Neottia nidus-avis. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/neottia-nidus-avis.html am Tg.Mo.Jahr.

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