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Pinguicula grandiflora Lam.
Großblütiges Fettkraut, Lentibulariaceae - Wasserschlauchgewächse
Frühsommerblüher, VI–VII, 10–35 cm hoch, sommergrün, mehrjährig

Das Großblütige Fettkraut stammt aus Südwesteuropa (Irland, Pyrenäen bis zur Schweiz), wo die Pflanzen in feuchten Felsfluren, lehmigen Bergwiesen, Mooren, an Bachrändern, oft auf Kalk- oder Urgestein in Höhen von 500–2.400 m über NN wachsen. In Mitteleuropa gibt es einen Standort an einem Kalktufffelsen im Siegtal bei Blankenberg, der wahrscheinlich durch Anpflanzung entstanden ist und seit mehr als 20 Jahren dort existiert. Der Standort ist tropfnass, beziehungsweise dicht von immer feuchten Moosen bewachsen, in denen das Großblütige Fettkraut ideale Bedingungen vorfindet. Es ähnelt sehr den einheimischen Fettkäutern, Pinguicula alpina L. und P. vulgaris L., besitzt jedoch deutlich größere Blüten mit violetten bis blass blauen Kronblättern. Wie diese ist auch das Großblütige Fettkraut eine fleischfressende Pflanze (Carnivore). Auf der drüsig-klebrigen Blattoberfläche werden kleinere Insekten gefangen und anschließend verdaut.

Wie andere Fettkräuter auch, hat das Großblütige Fettkraut eine grundständige Blattrosette, die bis 16 cm im Durchmesser erreichen kann und aus mehreren, fleischigen, hellgrünen, länglich ovalen, 3–6,5 cm langen Laubblättern besteht. Zum Winter hin ziehen die Pflanzen ein und bilden kleinere Überdauerungsknospen, sogenannte Hibernakel, sowie Brutzwiebeln. Die Blüten erscheinen im Sommer, sind mit Sporn bis 3,5 cm lang, mit violetter bis blass-blauer Krone, deren Unterlippenlappen genauso breit wie lang, ausgerandet und überlappend sind. Später bildet sich eine rundliche, hellbraune Samenkapsel.


Abb. 1 Die Population der Pinguicula grandiflora auf dem Kalktufffelsen am Siegmäander ist individuenreich. Blankenberg, NRW, 29.06.2016, 105 m, 50° 46' 02 N, 07° 22' 08 O Abb. 2 Die Laubblätter von Pinguicula grandiflora sind fleischig, länglichoval und hellgrün. Felswand des Siegmäanders bei Blankenberg, 29.06.2016, 105 m, 50° 46' 02 N, 07° 22' 08 O

Abb. 3 Auf der klebrigen Blattoberfläche der Pinguicula grandiflora werden zahlreiche Insekten gefangen und anschließend verdaut. Blankenberg, NRW, 29.06.2016, 105 m, 50° 46' 02 N, 07° 22' 08 O Abb. 4 Unreife Samenkapsel von Pinguicula grandiflora mit den Resten der violetten Blütenkrone. Felswand des Siegmäanders bei Blankenberg, 29.06.2016, 105 m, 50° 46' 02 N, 07° 22' 08 O


Der Gattungsname Pinguicula L. war schon vorlinnäisch gebräuchlich und leitet sich ab von lat. "pinguis" (= fett) zum Deminutiv lat. "pinguiculus" (= recht fett). Zwei Benennungsmotive sind denkbar: die fettig glänzenden, fleischigen Laubblätter oder die Nutzung des Fettkrauts in Nordeuropa, um Milch dicker und wohlschmeckender zu machen. Vorlinnäisch umfasste Pinguicula mehrere Gattungen wie beispielsweise Sempervivum L. oder Aizoon L. und nicht exklusiv die Fetthennen, beziehungsweise Mauerpfeffer. Das Epitheton grandiflora stammt von lat. "grandis" (= groß) und lat. "-florus" (= -blütig), zu großblütig, nach den relativ großen Blüten innerhalb der Gattung.

Pinguicula grandiflora sind Liebhaberpflanzen, die anspruchsvoll in der Kultur sind und hervorragend in basenreiche Feuchtarrangements passen.

Referenzen
Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Jäger, E. J., Ebel, F., Hanelt, P. & Müller, G. K. 2007: Rothmaler, Exkursionsflora von Deutschland, Band 5, Krautige Nutz- und Zierpflanzen. – Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, 874 S.
Polunin, O. & Smythies, B. E. 1997: Flowers of South-West Europe. – Oxford University Press, Oxford, New York, 480 S.



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2019: Pinguicula grandiflora. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/pinguicula-grandiflora.html am Tg.Mo.Jahr.

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