Startseite

Viburnum tinus L.
Immergrüner Schneeball, Lorbeer-Schneeball, Viburnaceae - Schneeballgewächse
  auch: Caprifoliaceae - Geißblattgewächse
  Adoxaceae - Moschuskrautgewächse
Winterblüher, XI–IV (V–VIII), 150–500 cm hoch, immergrün, mehrjährig

Der Lorbeer-Schneeball stammt aus dem mediterranen Raum bis auf die Kanaren, wo die Pflanzen an schattig-feuchten Standorten der Macchie, in lichten Hartlaubwäldern oder Felshabitaten auf 0–800 m über Meereshöhe vorkommen. Die Art wurde erstmals 1560 nach Mitteleuropa eingeführt und überwiegend als Kübelpflanze gehalten, ist jedoch in den wintermilden Regionen winterhart und wird dort seit Ende des 20. Jahrhunderts auch zahlreich in Gärten angebaut. Ganz vereinzelt sind spontan aufkommende Pflanzen berichtet worden, bisher unstet, ohne Invasionstendenz.

Der Lorbeer-Schneeball ist ein Strauch oder kleiner Baum mit einem oder mehreren Stämmen, reich verzweigt und bildet eine pyramidale bis konische Krone aus. An freien Standorten finden sich meist dichte, stark belaubte Exemplare, im Unterwuchs der Wälder sparrige und lichte Exemplare. Die Laubblätter sind gegenständig, schmal eiförmig bis länglich, ledrig, ganzrandig, 7–10 cm lang, oberseits dunkelgrün und unterseits drüsig behaart.

Die Blüten stehen in blütenreichen, 5–8 cm im Durchmesser großen, schirmförmigen Trugdolden, sind weiß, zuweilen in der Anthese rosa, 5-zählig und 5–7 mm im Durchmesser groß. Später bilden sich metallisch blaue Steinfrüchte, die 1 Samen enthalten.

Je nach Witterungsverlauf erscheinen in Mitteleuropa die ersten Blüten gelegentlich schon im November. Ist der Winter nicht sehr hart, blühen die Pflanzen oft bis zur Hauptblütezeit in März bis April durch. Als Kübelpflanze blüht der Immergrüne Schneeball oft im Sommer.

Manche Autoren akzeptieren die auf den Kanaren endemische ssp. rigidum (Vent.) P. Silva als Unterart. Diese wächst oft baumartig (4–7 m Höhe), hat breitere Trugdolden (10–15 cm im Durchmesser groß) und unterseits auf den Laubblättern weist die Nervatur eine deutlich braunfilzige Behaarung auf.


Abb. 1 Dichter Strauch des Viburnum tinus an sonnigem Standort in der Serra de Sintra, Portugal, 19.10.2009, 369 m, 38° 46' 12 N, 09° 27' 57 O
Abb. 2 Blühender Strauch des Viburnum tinus ssp. rigidum im Nebelwald nahe Erjos auf Teneriffa, 09.04.2009, 1.002 m, 28° 19' 39 N 16° 48' 50 W
Abb. 3 Blüten und Laubblätter des Viburnum tinus ssp. rigidum im Unterwuchs des Nebelwalds nahe Erjos, Teneriffa, 09.04.2009, 1.002 m, 28° 19' 39 N 16° 48' 50 W
Abb. 4 Blühender Strauch von Viburnum tinus an einem Strauchsaum nahe dem Dörfchen Mirca auf Brac, Kroatien, 20.10.2012, 119 m, 43° 22' 11 N, 16° 31' 07 O
Abb. 5 Weiße Blüten von Viburnum tinus, Strauchsaum nahe dem Dörfchen Mirca auf Brac, Kroatien, 20.10.2012, 119 m, 43° 22' 11 N, 16° 31' 07 O
Abb. 6 Metallisch glänzende Früchte von Viburnum tinus, Strauchsaum nahe dem Dörfchen Mirca auf Brac, Kroatien, 20.10.2012, 119 m, 43° 22' 11 N, 16° 31' 07 O
Abb. 7 Lockerer Wuchs eines Viburnum tinus ssp. rigidum im Unterwuchs des Nebelwalds nahe Erjos, Teneriffa, 09.04.2009, 1.002 m, 28° 19' 39 N 16° 48' 50 W


Nicht vollständig gesichert ist die Ableitung des Gattungsnamens Viburnum L., welcher schon vorlinnäisch gebraucht wurde und sich auf den Wolligen Schneeball, Viburnum lantana L., bezog. Das Epitheton tinus stammt von lat. "tinus" (= Steinlorbeer), wurde schon in der Antike (Plinius der Ältere, 23/24–79 n. Chr.) für den Lorbeer-Schneeball genutzt und bezieht sich wahrscheinlich auf die Steinfrüchte, jedoch ohne klares Benennungsmotiv.

Für die wintermilden Regionen ist der Lorbeer-Schneeball ein ausgezeichneter immergrüner Strauch. Er ist ein echter Winterblüher und präsentiert sich bis in den Frühling hinein mit weißen, duftenden Schirmrispen. Ideal ist ein sonniger, etwas geschützter Standort. In winterkälteren Regionen Kübelhaltung

Referenzen
Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Jäger, E. J., Ebel, F., Hanelt, P. & Müller, G. K. 2007: Rothmaler, Exkursionsflora von Deutschland, Band 5, Krautige Nutz- und Zierpflanzen. – Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, 874 S.
Schönfelder, I. & Schönfelder, P. 2002: Kosmos Atlas Mittelmeer- und Kanarenflora. – Kosmos-Verlag, Stuttgart, 303 S.


Zitiervorschlag: Lorek, M. 2026: Viburnum tinus. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/viburnum-tinus.html am Tg.Mo.Jahr.