Aspidistra elatior Blume
Schusterpalme, Liliaceae - Liliengewächse
(auch: Asparagaceae - Spargelgewächse)
Frühlingblüher, III–V, 10–60 cm hoch, immergrün, mehrjährig
Die Schusterpalme stammt aus Japan, wo die Pflanzen in der Krautschicht der Wälder, besonders Castanopsis sieboldii-Wälder, vorkommen.
Das Rhizom ist fast rund und 5–10 mm dick. Die Blätter stehen einzeln, sind 5–35 cm lang gestielt, dunkelgrün, manchmal mit gelblichen Flecken, länglich-lanzettlich oder fast elliptisch, 20–45 cm lang und 6–10 cm breit.
Die Blüten stehen einzeln mit 2–4 Hochblättern und 0,5–2 cm langen Stiel; die Blütenhülle ist violett, selten rosa, glockenförmig und (6–)8-lappig an der Spitze; die Blütenröhre ist 1–1,2 cm lang, 1–1,5 cm breit; die Perigonlappen sind am Rand grünlich, 3-eckig, 6–8 cm lang, 3,5–4 mm breit, auf der Oberseite mit 4 purpurroten, fleischigen, glatten Kielen, deren mittlere 2 bis zu 1,5 mm breit sind. Die (6–)8 Staubblätter setzen an der Basis der Blütenhülle an und sind fast sitzend; die Staubbeutel sind elliptisch und etwa 2 mm lang. Die Stempel sind etwa 8 mm lang; die Narbe ist schildförmig, kreisförmig, 1–1,3 cm im Durchmesser groß, am Rand 4-lappig, mit an der Spitze ausgerandeten Lappen.
Der Gattungsname Aspidistra Ker-Gwal. ist nicht eindeutig geklärt. Möglich erscheint eine Ableitung von gr. "aspis" (= Schild), wobei dann das Suffix "-istra" ohne hinreichende Deutung bleibt. Vielleicht sind die Blätter gemeint, vielleicht die noch geschlossene Blüte, die dem Boden aufliegt, oder es ist der schildförmige Stempel gemeint. Das Epitheton elatior stammt von lat. "elatior" (= höher, erhabener) und dürfte auf das besondere Erscheinungsbild der Pflanzen als "aus dem Boden" geboren anspielen.
Aspidistra elatior gehört zwar zu den einkeimblättrigen Exoten (Monokotyledone), ist jedoch keine Palme sondern eine Asparagaceae, Spargelgewächs. Trotzdem ihr nachgesagt wird, kaum Fröste auszuhalten, gibt es eine ganze Reihe positiver Freilanderfahrungen in Mitteleuropa, sogar vereinzelt mit leichtem Schutz bis in Zone 7b. Architektonisch hat A. elatior einen durchaus tropischen Touch, der insbesondere durch das immergrüne Verhalten den Garten aufwertet.
Seit den Nachkriegsjahren des jungen demokratischen Mitteleuropas haftet der Schusterpalme wohl etwas der Bourgeoisie oder Spießerhaftes an. Begründet dürfte das in der Massenhaltung in den Haushalten zwischen den Weltkriegen besonders in Großbritannien sein. Die Schusterpalme fand daher literarischen Einzug in Geroge Orwells Roman "Die Wonnen der Aspidistra", wo Aspidistra elatior als Metapher des Spießertums fungiert.
Unabhängig dieser interessanten Geschichte dürfte die Perzeption heute jedoch eine grundlegend andere sein. Der Exotengarten fordert nämlich gerade dazu auf, solche Exoten in die Gestaltung zu integrieren: robust, immergrün, schattenverträglich, trocken- und feuchtigkeitstolerant, tropisches Blatt. Was will man eigentlich mehr?
Referenzen
Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Huxley, A., Griffiths, M. & Levy, M. 1999: The New Royal Horticultural Society Dictionary of Gardening. – Band I–IV, Macmillan Reference Ltd., London.
Zitiervorschlag: Lorek, M. 2025: Aspidistra elatior. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/aspidistra-elatior.html am Tg.Mo.Jahr.