Startseite

Musa acuminata Colla
Asiatische Wildbanane, Musaceae - Bananen
Sommerblüher (in Mitteleuropa), VI–X, 3–7 m hoch, immergrün, mehrjährig

Musa acuminata stammt aus dem australasiatischen Raum von Indien bis Australien, wo die Pflanzen in Wäldern, Strauchgesellschaften und Grasmarschen in Höhen von 0–1.200 über NN wachsen. Streng genommen handelt sich bei M. acuminata um eine Wildbanane mit zweifachem Chromosomensatz, die ungenießbare Früchte mit reichlich Samen hervorbringt. Die Essbananen sind hingegen meist triploid und besitzen Früchte mit keinen oder wenigen Samen. Sie entstammen kultivierten Sippen, die zumeist 3 Chromosomensätze enthalten. Neben 3 acuminata-Chromosensätzen (AAA) existieren auch Einkreuzungen mit anderen Arten, bevorzugt mit M. balbisiana Colla. Diese besitzen dann oft 2 acuminata-Chromosomensätze und 1 balbisana-Chromosomensatz (= AAB Gruppe). Da es sich dann nicht mehr um eine fertile Wildform (Musa acuminata sensu strict) handelt, spalten manche Autoren dieses Taxon als Musa ×paradisiaca L. ab.

Die Wildform der Musa acuminata wird 3–7 m hoch und kann je Horst bis zu 30 Pseudostämme aus den Blattscheiden bilden. Die Pseudostämme sind mit bis zu 25 cm im Durchmesser an der Basis deutlich dünner als die der meisten kultivierten Banen; sie sind grün, braun-schwarz gefleckt bis vollkommen schwarz, gelegentlich rötlich-braun in den unteren Partien, zumeist mehr oder weniger bereift oder mit einem wachsartigen Überzug. Die Laubblätter sind lanzettlich-linear, 2–2,5 m lang, 40–60 cm breit, grün, oft purpurfarben gefleckt oder gänzlich purpurfarben, unterseits oft wachsartig mit 60–90 cm langem Blattstiel. Die Blütenstände sind fast horizontal bis nickend mit mehr oder weniger behaarter Blütenstandsachse, selten kahl. Zuerst erscheinen die weiblichen Blüten, später die männlichen. Es finden sich meist bis zu 10 Tragblätter mit weiblichen Blüten. Je Tragblatt gibt es 2 Reihen mit 16 weiblichen Blüten. Die Perigonblätter weiblicher Blüten sind 2,5–4,2 cm lang, weiß, gelblich oder hell purpurfarben. Der männliche Teil des Blütenstandes hat purpurfarbene oder rote, ovale, außen etwas bereifte, längs gerippte Tragblätter. Je Tragblatt gibt es 2 Reihen mit etwa 20 männlichen Blüten. Das Perigon männlicher Blüten ist 3,5–4,5 cm lang, etwa 1,2 cm breit, weiß, cremefarben, gelblich oder blass orangefarben, gelegentlich hell purpurfarben. Die Früchte sind gebogen, zumeist aufrecht geotropisch, 8–13 cm lang, 1,5–3 cm breit, fast zylindrisch, anfangs kantig, später rund, mit kahlem oder flaumig behaartem Fruchtstiel. Das Fruchtfleisch ist weiß oder cremefarben bis gelb. Die Samen sind schwarz, weich, unregelmäßig kantig, 6–7 mm groß und mehr oder weniger höckrig. Siehe auch Gattung Musa L.

Streng genommen sollten die Essbananen unter Musa ×paradisiaca eingeordnet werden, da sie keinen Naturstandort haben und Zuchtsorten repräsentieren, mithin einen polymorphen Sippenkomplex darstellen, der nicht einer der Spezies sensu strictu zugeordnet werden kann. Hierzu gehören beispielsweise die bekannten Sorten wie M. cavendishii Lamb. ex Paxton (AAA) oder die zur AAB-Gruppe gehörende Musa 'Rajapuri', die aus Indien (Andhra Pradesh und Karnataka) stammt und essbare, aromatische Bananen aufweist.

Abb. 1 Fruchtstand der Musa acuminata 'Dwarf Brazilian', einer AAA-Zuchtsorte der M. acuminata. Edison Park in Fort Myers, Florida, 20.10.2018 Abb. 2 Die diploide AA-Sorte Musa ×paradisiaca 'Tuugia' bei der sich der typische, fast horizontale Blüten-Fruchtstand der M. acuminata präsentiert. Privatgarten in Kalimpong, West-Bengalen, Indien, 25.07.2003, K. C. Pradhan

Abb. 3 Kaum 2 m hohe Zwergsorte Musa acuminata 'Truly Tiny' im Edison Park in Fort Myers, Florida, 20.10.2018 Abb. 4 Blüten-Fruchtstand einer Musa acuminata, einer Parentalart von M. ×paradisiaca. Gewächshaus des Gruga Parks Essen, 11.09.2005

Abb. 5 Typischer, schlanker Habitus der Musa acuminata, hier der Sorte 'Red' im Fairchild Botanical Garden, Miami, Florida, 25.10.2018 Abb. 6 Typischer, fast waagerechter Fruchtstand der Musa acuminata 'Red' im Fairchild Botanical Garden, Miami, Florida, 25.10.2018

Abb. 7 Typischer Habitus von Musa acuminata, hier der Sorte 'Red' im Fairchild Botanical Garden, Miami, Florida, 25.10.2018 Abb. 8 Wachsartig bereifte Sprossache der Musa acuminata 'Dwarf Namwah', einer 'Lady Finger'-Sorte, bei denen es sich zumeist um AB-Hybriden handelt. Edison Park in Fort Myers, Florida, 20.10.2018

Abb. 9 Basis der Sprossachse von Musa acuminata 'Dwarf Namwah', einer 'Lady Finger'-Sorte. Edison Park in Fort Myers, Florida, 20.10.2018 Abb. 10 Etwa 3 m hohe Pflanze der Musa acuminata 'Dwarf Namwah', einer AB-Hybride der 'Lady Finger'-Reihe. Edison Park in Fort Myers, Florida, 20.10.2018

Abb. 11 Bereifte Früchte von Musa acuminata 'Dwarf Namwah', einer 'Lady Finger'-Sorte. Edison Park in Fort Myers, Florida, 20.10.2018 Abb. 12 Männliche Blüten der Musa acuminata 'Dwarf Brazilian', einer Zuchtsorte der M. acuminata. Edison Park in Fort Myers, Florida, 20.10.2018

Abb. 13 Etwa 3 m hohe Pflanze der Musa acuminata 'Dwarf Brazilian' im Edison Park in Fort Myers, Florida, 20.10.2018 Abb. 12 Männliche Blüten der Musa acuminata 'Dwarf Brazilian', einer Zuchtsorte der M. acuminata. Edison Park in Fort Myers, Florida, 20.10.2018



Der Gattungsname Musa wurde von Linné etabliert und ist schon in antiken Quellen vorhanden. Linné hatte hierfür die älteste Bezeichnung gewählt, die es für die Gattung gab. Welches Benennungsmotiv dem Namen allerdings zugrunde liegt, ist nicht klar. Zumindest ist es keine Ehrung von Antonius Musa, dem Leibarzt des Augustus, da das Idiom wesentlich älter als die Person Antonius Musa und wohl indochinesischen Ursprungs (von chin. "maozi" = üppige Frucht) ist. Das Epitheton acuminata leitet sich ab von lat. "acuminatus" (= zugespitzt), nach der zugespitzten männlichen Blütenstandsknospe?

Musa acuminata ist eine attraktive Banane mit aromatischen Früchten. Für eine Kultur sollten die Pflanzen im Topf gehalten werden. Überwinterung erfolgt je nach Kultivare im kühlen Gewächshaus, unter warmen Bedingungen oder dem Wintergarten. Die Früchte können sehr vielgestaltig sein, je nach Sorte.

Referenz
Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Uma, S. & Sathiamoorthy, S. 2002: Names and Synonyms of Bananas and Plantains of India. – National Research Centre for Banana (ICAR), Tiruchirapalli, India, 62 S.



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2018: Musa acuminata. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/musa-acuminata.html am Tg.Mo.Jahr.

© Tropengarten

info@tropengarten.de