Startseite

Dasylirion Zucc.
Rauhschöpfe, Nolinaceae - Nolinagewächse
     (nach anderen Autoren Asparagaceae - Spargelgewächse)
Frühling-Sommerblüher, V–VII, immergrün, mehrjährig

Die Rauhschöpfe sind eine Gattung der Einkeimblättrigen die etwa 18 Arten umfasst und ausschließlich im Südwesten der USA und Mexiko vorkommt. Bevorzugt werden trockene Bergregionen, Halbwüsten oder Felsstandorte besiedelt. Es sind Pflanzen, die bei den Ureinwohnern eine wichtige Rolle spielten. Der Wurzelstock diente als Nahrungsquelle, wurde geröstet oder als alkoholisches Getränk, dem Sotol, zubereitet. Die Blätter dienten zum Weben von Körben.

Die Pflanzen sind immergrün, bilden aufrechte oder niederliegende Stämme, bedeckt von frischen oder alten, persistierenden Blättern, die eine dichte Rosette formen (Name!). Die Blätter sind lang, schmal, glänzend oder wachsartig bedeckt, mit verbreiterter, löffelähnlicher Basis, meist mit randständigen Zähnchen oder gesägtem Rand, ausnahmsweise glattrandig. Die Blütenstände sind traubig, bis 3,6 m, schmal länglich aufragend und tragen zahlreiche weiße oder grünliche, manchmal rötliche, 6-zählige Blüten. Die Kapselfrüchte enthalten jeweils einen Samne, sind dreifach geflüget, der Samen goldbraun und 3-winkelig.

Der Gattungsname Dasylirion Zucc. stammt ab von gr. "dasys" (= dicht, rauh) und gr. "leirion" (= Lilie), womit die rauhen Schöpfe, beziehungsweise Rosetten gemeint sind, gebildet aus den länglichen Laubblättern.

Rauhschöpfe sind in Mitteleuropa nur eingeschränkt winterhart. Dies bedeutet, dass die Pflanzen allenfalls in sommerwarmen Regionen mit hoher Jahreswärmesumme und geringer Niederschlagsmenge im Süden und Südosten Mitteleuropas als möglicherweise winterhart anzusehen sind. Bisher gibt es nur sehr wenige erfolgreiche Langfristbeobachtungen aus diesen Klimabereichen, umso häufiger sind Misserfolge. In nördlicheren oder feuchteren Regionen, wozu der allergröße Teil Mitteleuropas zählt, ist es sichlich ratsam, die Pflanzen im Container zu halten.

Dasylirion acrotrichum (Schiede) Zucc.: symmetrischer Rauhschopf, die Blätter sind steif, blaßgrün, bis 1 m mit zerfaserter Spitze und randständigen blaßgelben Zähnchen mit brauner Spitze, Blattbreite bis 1,3 cm. Die Zähnchen zeigen zur Blattspitze. Die äußeren Blätter sind zurückgebogen. Blütenstand bis 450 cm. Meist solitärer Stamm bis 1.5m, nur gelegentlich verzweigt. Gesamthöhe bis 4 m. Es existieren verschiedene Varietäten mit unterschiedlichen Blatt-Charakteristika. D. acrotrichum ist schon wegen der pinselartig zerfaserter Spitze gut erkennbar, kann aber mit D. leiophyllum und D. texanum verwechselt werden. Bei D. leiophyllum sind die Zähne zur Blattbasis gerichtet und das Blatt ist breiter bis 2 cm, auch fehlt die zerfaserte Spitze. Bei D. texanum ist der Stamm breiter und die älteren Blätter wesentlich stärker rückwärts gebogen, sowie die zerfaserte Blattspitze fehlt. Mexico. Leider ist D. acrotrichum nicht ausreichend hart für unser Klima, jedoch hervorragend als Kübelpflanze geeignet. Zwar werden bis –19 °C bei absolut trockenem Standort toleriert, aber leider nur kurzfristig und nur von älteren Exemplaren. Die exotische, sphärische Form eignet sich gut als Solitärpflanze im Wintergarten oder auf der Terrasse.

Dasylirion berlandieri S. Watson: sehr dekorativer, stammbildender Dasylirion mit blaugrünen Blättern und ungewöhnlich eleganter Biegung des schlanken Blattes. Am Stamm finden sich gelblich rote Blattbasen, die Endgröße dürfte bei 2–3 m liegen. Berichte von ausgezeichneter Frosthärte bis Z 7 lassen mit trockener Abdeckung eine gute Auspflanzbarkeit erwarten. Alle Sorten sind am besten als Kübelpflanze geeignet.

D. berlandieri 'Delores': Naturstandort sich auf kalkhaltigen Hügeln (pH 7–8) in San Luis Potosi, Mexiko, auf bis zu 1.290 m Höhe. Das Klima ist trocken warm mit Sommerregen. Die Begleitflora wird von Hechtia glomerata dominiert, es finden sich auch Yucca carnerosana, Opuntia imbricata, Agave lechuguilla und Agave striata.

D. berlandieri 'Garza Garcia': blau graues, schlankes Blatt. Der Name leitet sich vom Fundort in der Municipio San Pedro Garza Garcia ab. Am Naturstandort in Nuevo Leon, Mexiko, findet man ihn an exponierten Stellen bis auf knapp 2.000 m, wo starke Winterfröste und monatelange Sommerhitze herrscht. Agave lechuguilla, Acacia greggii, Dasylirion texanum und Yucca filifera gehören zur Begleitflora. Dasylirion berlandieri 'Garza Garcia' erreicht Größen bis knapp 3 m.

D. berlandieri 'Monterrey': aus der Nähe von Monterrey, in der Provinz Nuevo Leon, Mexiko, mit silbrigen, schmalen gedrehten Blätter. Er ist gekennzeichnet durch rasches Wachstum und sehr guter Neigung zur Stammbildung. Neben Agave lechuguilla und Hechtia glomerata ist dieser Dasylirion durch seine Höhe bis 5 m ein dominierender Bewohner des wüstenähnlichen Graslandes. Extrem selten.

D. berlandieri 'Zaragoza Blue Twister': aus dem Matorral der Coahuila Zaragoza, Tamaulipas, Mexiko, mit ausgeprägt blauen Blättern, die sich kurvenwartig winden. Er ist rasch wachsend, hoch dekorativ und bildet im Alter einen kleinen Stamm. Gesamthöhe bis 3 m. Sehr schöne und seltene Pflanze.

Dasylirion cedrosanum: seltene Dasylirion-Art aus Nord-Mexiko. Interessantes, ungewöhnlich flaches Blatt mit weiß gräulicher Färbung, deutlich breiter als bei D. wheeleri, häufige Neigung zur Hybridisierung mit D. wheeleri. Bisher gibt es noch keine Freilanderfahrung. Da sich das Verbreitungsgebiet von Dasylirion cedrosanum aber mit D. wheeleri überlappt, dürfte eine potenzielle Auspflanzbarkeit gegeben sein. Jedoch gilt, wie für alle Dasylirien, dass eine Kübelhaltung besser ist als das Auspflanzen, welches dauerhaft riskant ist.

Dasylirion gentryi: ebenfalls von Bogler (Taxonomy and phylogeny of Dasylirion (Nolinaceae). Doctoral dissertation, University of Texas at Austin, 1994) neu beschriebene Art aus dem Gebiet des Rio Mayo, Arizona und der Sonora Wüste, Nordmexiko, welche früher unter D. wheerlei var. durangoensis Wats. eingeordnet wurde. Kübelhaltung empfehlenswert.

Dasylirion glaucophyllum ist eine der als erste nach Europa eingeführten Arten, welche nachweislich auch in kaltgemäßgten Breiten bis zur Blüte (in England) gelangt ist. Diese Art bleibt fast stammlos, maximal 25–40 cm Stammhöhe und hat ebenfalls eine zerfaserte Blattspitze, welche kurz aufgefasert ist. Die Fasern bilden zumeist ein rundes Büschel, während jede bei D. acrotrichum länglich, pinselartig sind. Das Blatt ist gräulich, blau und schmaler als bei D. wheeleri. Kübelpflanze.

Dasylirion longissimum Lem. ist wie D. quandragulatum ein baumförmiger Dasylirien mit kräftigen Stämmen bis 3 oder 4 m Höhe. Beide haben vierkantige, fast fleischige olivgrüne Blätter, welche eindrucksvolle Schöpfe mit einem Durchmesser bis zu 2 m bilden. Die Blattspitzen sind erhalten und fasern nicht auf. Der Blütenstand ist bis 5 m hoch. Zu unterscheiden sind beide an den Blatträndern. Dasylirion longissimum hat aufgerauhte, nahe der Blattbasis gezähnelte Blätter, während D. quandrangulatum keine Zähnchen an den Blättern hat, allenfalls leicht serruliert ist. Am Naturstandort in Mexiko kommen zwar auch Fröste und winterlicher Regen vor, die Winterhärte reicht aber leider nicht für die Freilandkultur. Für den Kübel sind dies die beiden besten Dasylirien.

Dasylirion leiophyllum: robuste Art mit grünen, dicht stehenden Blättern, typisch sind die randständigen, goldfarbenen Zähnchen und die nur gering zerfaserte Spitze. Sehr ähnlich D. texanum, die Zähnchen sind aber zur Blattbasis gerichtet. Hat eine ähnliche Frosthärte, ist aber wie dieser empfindlich auf starke winterliche Feuchtigkeit. Daher ist ein sonniger, gut drainierter Standort empfehlenswert, am besten eine Stelle, wo D. leiophyllum auch im Winter abtrocknen kann. Sicherer ist eine Haltung im Kübel.

Dasylirion miquihuanense Bogler: eine 1998 neu beschriebene Art aus Mexiko, Nuevo Leon, von bis zu 1.800 m Höhe. Baumähnlicher Rauhschopf, einer der größten mit Stamm bis 3 m und Blättern bis 120 cm. Verspricht aufgrund des Standortes gute Frosthärte. Erfordert aber einen hervorragend drainierten Standort, eventuell Abdeckung bei starker Feuchtigkeit, da es am Naturstandort im Winter nur selten regnet. Schutz ab –17 °C erforderlich, besser als Exot im Kübel, mit Überwinterung im Kaltgewächshaus.

Dasylirion quadrangulatum
S. Watson: Grasbaum-Rauhschopf aus Mexiko. Er gehört zu den größten Arten der Gattung und kann einen Stamm bis 5 m Höhe entwickeln. Typischerweise haben die Laubblätter keine Zähnchen, sind unbewehrt, im Querschnitt vierkantig und können bis 90 cm lang werden.

Dasylirion texanum Scheele: grüne Blätter mit kurzen Zähnchen, die zur Blattspitze zeigen, und die ausgefransten Blattspitzen an bis zu 130 cm langen Blättern kennzeichnen dieses Dasylirion. Im Alter bildet es einen bis 0,5 m hohen Caudex. Der Blütenstand erreichnet 2–3 m Höhe. Bei guter Drainage und winterlicher Abdeckung in den meisten Teilen Deutschlands versuchenswert. Er ist empfindlicher als D. wheeleri, da sein Verbreitungsgebiet Texas und Nordmexiko umfasst, insgesamt trockenere Regionen als bei Wheelers Rauhschopf, Kübelhaltung.

Dasylirion wheeleri S. Watson ex Rothrock ist der winterhärteste Vertreter der Dasylirien. Dies hängt mit seinem Verbreitungsgebiet zusammen, es reicht von Süd-Arizona bis nach Mexiko, und bedingt eine enorme Spannbreite von klimatischen Regionen. Vom Wüstenland bis zum Chaparral, dem Berg-Buschland in den Gebirgen der Sierra Madre Oriental, reicht sein Verbreitungsgebiet. Es handelt sich um einen blaublättrigen Dasylirion, mit randständigen Zähnchen, die zur Blattspitze gebogen sind. Im Alter stammbildend bis 1 m. Sehr tolerant gegenüber Feuchtigkeit, sofern der Standort gut drainiert ist. Er soll in Nordamerika schon Temperaturen bis –27 °C überstanden haben! Dennoch ist ein geschützter Standort empfehlenswert. Eine Pflanze, deren Architektur kaum zu übertreffen ist, und die immer ein Blickfang ist. Der Blütenstand mit bis zu 5 m Höhe ist spektakulär, erfordert aber zwei Exemplare, da alle Dasylirien zweihäusig sind. Die Pflanze stirbt nicht nach der Blüte, sondern teilt sich gelegentlich. Verluste nach der Blüte sind fast immer zu beobachten, hängen aber mit unseren klimatischen Gegebenheiten zusammen, daher gilt wie für alle Dasylirien eine Bevorzugung der Kübelhaltung.

Referenzen

Genaust, H. 2012: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. – Nikol-Verlag, Hamburg, 701 S.
Irish, G. & Irish, M. 2000: Agaves, Yuccas, an Related Plants. A Gardener's Guide. – Timber Press, Portland, Oregon,  312 S.



Zitiervorschlag: Lorek, M. 2018: Dasylirion. – http://www.tropengarten.de/Pflanzen/dasylirion.html am Tg.Mo.Jahr.

© Tropengarten

info@tropengarten.de